Vom Experiment zum neuen Lebensstandard zeugt PLASTIKFREIE ZONE aus dem Verlag Heyne

 

Wolfgang Weitlaner

 

Graz (Weltexpresso) - Einer österreichischen Familie ist es gelungen, seit nunmehr zwei Jahren nahezu ohne Plastik und Kunststoffe zu leben. Über ihre Erfahrungen und die Umstellung der Lebensgewohnheiten berichtet Familienmutter Sandra Krautwaschl im Buch "Plastikfreie Zone", das nun beim Heyne-Verlag erschienen ist.

 

Angeregt durch die Kino-Dokumentation "Plastic Planet" von Werner Boote hat Krautwaschl versucht, Kunststoffe aus dem gemeinsamen Haushalt zu verbannen und durch andere Produkte zu ersetzen. "Eigentlich hätte es ursprünglich nur ein Experiment sein sollen, um zu sehen, ob das überhaupt möglich ist", erklärt Krautwaschl, die mit ihrem Ehemann und drei Kindern außerhalb von Graz lebt, im Interview. Im Buch schildert die engagierte Mutter auch, dass es nicht um eine zwanghafte Umsetzung der Idee gehe. "Das Buch soll ein Plädoyer für Leichtigkeit und Kompromissbereitschaft sein".

 

"Beim gemeinsamen Urlaub in Kroatien haben uns die Kinder gefragt, woher in unserer einsamen Bucht der ganze Plastikmüll kommt und wer daran Schuld ist", erzählt die Autorin, die sich dann selbst die Frage gestellt hat, welchen Anteil sie und ihre Familie daran trägt. Seit Jahren trenne sie umweltbewusst den Müll.

 

"Das Schlagwort Recycling reichte über Jahre vollkommen aus, um mir und vermutlich dem Großteil der Verbraucher bezüglich des Umgangs mit Müll ein wirklich gutes Gewissen zu bescheren", schreibt sie in ihrem Buch. Das Ganze folge dem Grundsatz 'aus den Augen, aus dem Sinn'. "Bootes Film hat das Fass dann endgültig zum Überlaufen gebracht“, schildert sie.

"Am Anfang stand der sportliche Ehrgeiz, den Haushalt von sämtlichen Plastikprodukten frei zu bekommen und passende Alternativen dazu zu finden." Das geschah im November 2009. "Freunde haben mitgeholfen, Alternativen zu finden und uns mit verschraubbaren Glasgefäßen ausgeholfen, die sie selbst nicht mehr benötigten." Damit habe der Umstieg auch eine soziale Komponente bekommen.

 

Eine weitere Prämisse war auch, dass das neue plastikfreie Leben nicht teurer sein durfte als bisher. Immer deutlicher habe sich dabei herausgestellt, dass es sich vor allem um eine Müllvermeidungsstrategie handelt. "Die Tatsache, dass wir unseren Plastikmüll seit Beginn des Experiments um 95 bis 98 Prozent und den restlichen Müll um rund 50 Prozent reduzieren konnten, reicht mir als persönliche Bestätigung der Sinnhaftigkeit."

 

Doch Krautwaschl sieht sich weder als Phobikerin noch als Extremistin. Als größten Gewinn bezeichnet sie die Erkenntninis, dass man für viele Dinge gar keine Alternative braucht und vieles ersatzlos gestrichen werden kann. In ihrem Blog http://keinheimfuerplastik.at wurde Krautwaschl dafür von einem Leser als "Plastik-Taliban" getitelt. "Es ist wesentlich, dass ich mich bei diesem Experiment zu nichts zwingen ließ, also auch dabei die Wahlfreiheit hatte." Insgesamt handle es sich bloß zum Versuch, Nötiges von Unnötigem zu trennen, wobei sie sich die Freiheit behalte, den Entschluss jederzeit rückgängig zu machen.