f phoenixSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 26. April 2018,  Teil 3

N.N.

London/ New York (Weltexpresso) – Nach der gemeinsamen Arbeit am Drehbuch kam der Moment, in dem Ramsay und Phoenix zum ersten Mal zusammen am Set waren. Jetzt musste sich herausstellen, wie sie als Schauspieler und Regisseurin miteinander arbeiten würden. Und schon am ersten Tag wurde klar, dass Ramsay eine Art hatte, ihre Schauspieler zu begleiten, die Phoenix schwer beeindruckte.

Ramsay erinnert sich: „Wir drehten in dieser alten russischen Sauna. Es herrschte eine Hitze da drin, die uns alle mürbe machte. Wir waren erst im Dampfbad, dann musste Joaquin ins Kaltwasserbecken. Als er hineinstieg schaute er so schockiert, dass ich mich fragte, wie kalt das Wasser wohl sei. Ich bin so, ich will wissen, was meine Schauspieler fühlen, ich muss mich in ihre Lage versetzen können. Also watete ich auch in dieses Becken rein, um zu sehen, wie schlimm es ist. Und ja, es war mörderisch. Das Wasser war praktisch am Gefrierpunkt.“

Phoenix nickt dazu, immer noch ein wenig erstaunt: „Das hat sie getan. Sie kam zu mir ins Wasser. Sie hat so etwas noch oft gemacht, sie wollte dasselbe erleben, was ich erlebte, um mich besser verstehen zu können. Es war jedes Mal imponierend.“ Damit war die Verbindung zwischen Regisseurin und Schauspieler nicht nur gefestigt, sondern beide konnten ihre kreativen Ideen tatsächlich miteinander abgleichen. Wann immer Phoenix unsicher war, wie etwas gespielt werden sollte, kam Ramsay dazu und probierte die entsprechende Szene selber aus, egal ob es darum ging, wie man einen Hammer hält, oder wie man auf dem Boden liegt und ein Lied singt. „Dadurch hat sie gemerkt, was mich an der Szene stört, und dann hat sie mir geholfen, das Problem zu lösen. So einen konsequent persönlichen Ansatz bei der Inszenierung habe ich noch mit keinem Regisseur erlebt. Lynne sieht ihre Filme nicht nur von außen, sie kennt sie auch von innen.“

Lynne Ramsay wiegelt ab: „Es war eine Teamarbeit. Manchmal wussten wir nicht weiter, dann haben wir eben beide herumprobiert. Das hat Joaquin gefallen, er liebt den spielerischen Prozess, aus dem etwas Ungewöhnliches entstehen kann.“ Das ist ein Stichwort für Rosa Attab, denn sie schätzt gerade den unkonventionellen Blick von Lynne Ramsays Filmen: „Ich habe ihr diesen schwarzen Thriller angeboten, weil ich sicher war, dass so ein Stoff in ihren Händen zu etwas Besonderem wird. Eine Frau würde mit dem maskulinen Aspekt von Actionkino und Actionhelden anders umgehen, und Lynnes Originalität sprengt sowieso jedes Genre – ich war wirklich gespannt, was sie aus dieser Geschichte herausholt.“

Es war dann entsprechend innovativ, was Lynne Ramsay mit A BEAUTIFUL DAY abgeliefert hat. Sie blieb innerhalb der Grenzen des Thriller-Genres, aber sie fügte eine aufregende formale und eine interessante psychologische Ebene hinzu. Der Film zeigt nicht nur die gefährliche Mission seiner Hauptfigur, sondern auch deren gefährliches Innenleben. „Am Ende wurde es eine Charakterstudie, dank Joaquin Phoenix wächst Joe über die Geschichte hinaus“, bestätigt Ramsay, und während bei den Kritiken des Films bereits gejubelt wurde, sie habe einen Klassiker ähnlich Martin Scorseses TAXI DRIVER gedreht, bleibt Attab sachlicher: „Lynne Ramsay beherrscht eben die Kunst, uns ins Innere einer Figur hineinzuführen, während sie außen herum mit dem Genre spielt.“

Foto:
© Verleih

Info:
Darsteller

Joe.................................................... Joaquin Phoenix
Nina .................................................. Katerina Samsonov
Joes Mutter...................................... Judith Roberts
John McCleary ................................. John Doman
Senator Votto.................................... Alex Manette
Senator Williams.............................. Alessandro Nivola
Angel ................................................ Frank Pando
Moises ............................................. Vinicius Damasceno