Die nächste, die 76. Berlinale vom 12. bis 22. Februar 2026, Teil 12Redaktion
Berlin (Weltexpresso) - Die Berlinale feiert 40 Jahre TEDDY AWARD und würdigt die Kraft des Queer Cinema mit einer Sonderreihe und Gesprächsrunden. Die künstlerische Vielfalt, der politische Anspruch und der prägende Einfluss, den queeres Kino auf die Berlinale und das unabhängige Kino im Allgemeinen hat, stehen dabei im Zentrum.
In den vergangenen 40 Jahren ist der TEDDY AWARD zu einem festen Bestandteil der Berlinale geworden. Bevor es auf anderen großen Festivals üblich wurde, würdigte der Preis den kulturellen Beitrag queerer Filme und Künstler*innen und schuf so die Grundlage für größere Sichtbarkeit und Teilhabe. Der Einfluss des TEDDY AWARD hat weltweit zur Entstehung zahlreicher queerer Festival-Filmpreise beigetragen und damit eindrücklich gezeigt, welche kulturelle, künstlerische und auch wirtschaftliche Bedeutung queeres Storytelling für Festivals, Kinos und Märkte hat. Was einst als informelles Treffen queerer Festivalmacher*innen in der Buchhandlung Prinz Eisenherz während der Berlinale begann, hat sich zu einem der wichtigsten Ereignisse für das queere Kino entwickelt – und zu einem unverzichtbaren Treffpunkt für queere Filmschaffende aus aller Welt. Der TEDDY AWARD hat ein beeindruckendes Vermächtnis. Filmschaffende wie Pedro Almodóvar, Todd Haynes, Céline Sciamma, Isaac Julien und Ira Sachs haben durch den Preis bereits früh in ihrer Karriere Anerkennung erhalten.
Das vierzigste Jubiläum wird mit der Sonderreihe TEDDY 40, die sechs Kurzfilme und acht Langfilme aus der Geschichte des TEDDY AWARD sowie eine Gesprächsreihe umfasst, gefeiert.
„Als Panorama 1980 startete, gab es nur wenige queere Filme. Mitbegründer Manfred Salzgeber brachte sie nach Berlin und gab ihnen eine Bühne. Das zog Filmemacher*innen an und schon 1987 war der Anteil starker queerer Filme im Gesamtprogramm hoch genug für einen eigenen Preis, den TEDDY AWARD. Seine Aufgabe: queere Filme in den Fokus einer gleichgültigen Mehrheit rücken, deren Homophobie sich in Marginalisierung ausdrückte. Aber Film lebt von Aufmerksamkeit – und wir erzeugten sie“, sagt Wieland Speck, der von 1992 bis 2017 das Panorama leitete und 1987 den TEDDY mitgründete.
Seit 1992 offiziell als unabhängiger Preis der Berlinale anerkannt, entwickelt sich der TEDDY AWARD kontinuierlich weiter und trägt dazu bei, queeres Kino im internationalen Kontext sichtbarer zu machen. In Zusammenarbeit mit dem European Film Market, Berlinale Talents und verschiedenen intersektionalen Austauschformaten für Regisseur*innen entstehen Jahr für Jahr neue Möglichkeiten für queere Filmschaffende. Zugleich wird die zentrale Rolle des queeren Kinos in der Festivallandschaft weiter gefestigt.
Zum vierzigjährigen Jubiläum präsentiert die Berlinale WILD AT HEART, eine Gesprächsreihe im E-Werk und im silent green, entwickelt in Kooperation mit Poligonal, die die Geschichte des TEDDY AWARD und seine weitreichende Wirkung dokumentieren soll. Über fünf Tage kommen TEDDY‑Preisträger*innen, ehemalige Jury-Mitglieder, Branchenexpert*innen und prägende Wegbegleiter*innen zusammen, um den TEDDY als politischen Raum, als Safer Space und als Ort für Gemeinschaft und Aktivismus zu beleuchten.
Diese Gespräche ergänzen die laufenden Formate der Queer Academy, die auch in diesem Jahr eine Reihe Directors’ Exchanges im Berlinale HUB, die TEDDY Talents Talks in Zusammenarbeit mit Berlinale Talents, das Panel „Queer Creations“ sowie das jährliche Speedy Pitching Event für queere Filmschaffende in Kooperation mit dem European Film Market veranstaltet. Abgerundet wird dieses Programm durch die traditionelle Queer Industry Reception – jene Veranstaltung, die 1987 den Ausgangspunkt für den TEDDY AWARD bildete.
“Ohne die Berliner Community, das Publikum, würde der TEDDY heute so nicht existieren. Ihr wart, seid und bleibt unsere wichtigen Verbündeten und Unterstützer*innen. Die Vermittlung von filmischen Inhalten an das Publikum bleibt unsere zentrale Herzensangelegenheit. Jeder Film hat das großartige Potential individuell und gemeinschaftlich im Kinosaal wahrgenommen und dann in Folge weitergedacht, geschrieben oder gesprochen zu werden. Durch Zeit und Raum bewegen und erinnern wir uns zum vierzigsten Geburtstag des TEDDYs und bedanken uns herzlichst bei allen die über die Jahre so viel geleistet und beigetragen haben,” sagt Michael Stütz, Co-Direktor Film Programming und Leiter des Panorama.
Ein Blick auf vier Jahrzehnte TEDDY AWARD wäre nicht vollständig ohne die Filme, die seine Geschichte geprägt haben. In Zusammenarbeit mit allen Sektionen der Berlinale haben die Kurator*innen ein besonderes Programm aus acht Langfilmen und sechs Kurzfilmen zusammengestellt, die während des Festivals im Zoo Palast und im E‑Werk laufen werden. Die Auswahl umfasst Werke aus der Zeit vor der Entstehung des TEDDY AWARD, ebenso wie jüngere Meilensteine und zeigt, wie stark und organisch das queere Kino über die Jahre Identität und Entwicklung der einzelnen Berlinale‑Sektionen mitgeformt hat.
FILMLISTE
Nur dokumentarische Formen
TEDDY 40
von Jenni Olson | mit Harvey Milk
USA 2008
Dokumentarische Form | Kurzfilm
Der Film zeigt das Spiel von Licht und Schatten an den Wänden des Castro Camera Store, der als Kulisse für Gus Van Sants Milk diente. Auf der Tonspur ist Harvey Milk selbst zu hören, kurz nach seiner Wahl in den Stadtrat von San Francisco 1977.
Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros The Blossoming of Maximo Oliveros
TEDDY 40
von Kanakan Balintagos | mit Nathan Lopez
Philippinen 2005
Debütfilm
Der zwölfjährige Maxi lebt in den Slums von Manila und ist der ruhende Pol seiner kleinkriminellen Familie. Dass Maxi schwul ist, wird akzeptiert. Doch als er sich mit einem jungen Polizisten anfreundet, ist zu Hause Streit vorprogrammiert.
Entropia
TEDDY 40
von Flóra Anna Buda
Ungarn 2018
Animation | Kurzfilm
Drei Frauen, in parallelen Welten, bis zu dem Moment, in dem eine Fliege einen Fehler im System verursacht. Das Universum kollabiert, Sex is in the air, BHs sind überbewertet und die Sterne winken.
Kokomo City
TEDDY 40
von D. Smith | mit Daniella Carter, Koko Da Doll, Liyah Mitchell, Dominique Silver
USA 2023
Dokumentarische Form
In eindrucksvollen Interviews und Begegnungen erzählen vier Schwarze trans* Sexarbeiterinnen aus New York und Georgia kompromisslos von ihren Erfahrungen. Offen werden Fragen der Zugehörigkeit und der Identität innerhalb der Schwarzen Community thematisiert.
Liebe, Eifersucht und Rache Love, Jealousy and Revenge
TEDDY 40
von Michael Brynntrup | mit BeV StroganoV, Jürgen Baldiga, Michael Brynntrup
Deutschland 1991
Kurzfilm
Der provokative, ironische und spielerische Film aus den frühen 1990er-Jahren widmet sich Untertiteln und anderen Randphänomenen und unternimmt einen unterhaltsamen Versuch, die unterschiedlichen Ebenen von Film, Bildsprache, Sprache und Stimmung miteinander zu verknüpfen.
Mil nubes de paz cercan el cielo, amor, jamás acabarás de ser amor A Thousand Clouds of Peace Fence the Sky; Love, Your Being Love Will Never End | Tausend Wolken des Friedens belagern den Himmel. Liebe, du wirst nie aufhören Liebe zu sein
Mil nubes de paz cercan el cielo, amor, jamás acabarás de ser amor
TEDDY 40
von Julián Hernández | mit Juan Carlos Ortuño, Juan Carlos Torres, Salvador Álvarez, Perla de la Rosa, Clarisa Rendón
Mexiko 2003
Der 17-jährige Gerardo streift nach einer Trennung hoffnungslos durch die Straßen. Er wird von qualvollen Bildern verfolgt: Jeder männliche Körper erinnert ihn an seinen Geliebten. Um jeden Preis will er an den Überresten ihrer sterbenden Liebe festhalten …
Mondial 2010
TEDDY 40
von Roy Dib | mit Abed Kobeissy, Ziad Chakaroun
Libanon 2014
Kurzfilm
Ein Reisefilm auf einer Route, die eigentlich kein Reisen zulässt. Ein schwules Liebespaar an einem Ort, an dem Homosexualität als schwere Straftat geahndet wird. Mondial 2010 konfrontiert institutionelle Grenzen im heutigen Mittleren Osten.
Playback. Ensayo de una despedida Playback
TEDDY 40
von Agustina Comedi | mit Marcos García, La Delpi, Martín Shanly
Argentinien 2019
Dokumentarische Form | Kurzfilm
„La Delpi“, die einzige Überlebende einer Gruppe von Transgender-Frauen und Dragqueens, erzählt: Wie Lippenstift, Playback-Performances und improvisierte Bühnenoutfits ihnen Halt und Gemeinschaft gaben im Kampf gegen Aids und Polizeigewalt.
The Watermelon Woman
TEDDY 40
von Cheryl Dunye | mit Cheryl Dunye, Guinevere Turner, Valerie Walker, Lisa Marie Bronson, Cheryl Clarke
USA 1996
Ein turbulentes Highlight des Black Lesbian Cinema: Eine junge Filmemacherin recherchiert die unterdrückte Lebensgeschichte einer vergessenen Schwarzen Nebendarstellerin in alten Hollywood-Filmen. 1996 mit dem Teddy für den Besten Spielfilm ausgezeichnet.
Tomboy
TEDDY 40
von Céline Sciamma | mit Zoé Héran, Malonn Lévana, Jeanne Disson, Sophie Cattani, Mathieu Demy
Frankreich 2011
Laure ist neu in der Stadt. Mitten im Sommer ist sie mit ihrer Familie hierhergezogen. Als sie Lisa und eine Gruppe anderer Kinder kennenlernt, halten sie alle zunächst für einen Jungen. Laure beschließt, dabei zu bleiben, und wird zu Michael.
To Write From Memory
TEDDY 40
von Emory Chao Johnson
USA 2023
Dokumentarische Form | Kurzfilm
Die Transition einer jungen Person schreitet voran – trotz mütterlicher Einwände. Um weitergehen zu können, ist die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit unausweichlich. To Write From Memory zeichnet diesen Prozess essayistisch nach.
Tunten lügen nicht Queens Don't Cry
TEDDY 40
von Rosa von Praunheim | mit Ichgola Androgyn, BeV StroganoV, Tima die Göttliche, Ovo Maltine
Deutschland 2002
Dokumentarische Form
Mitte der 1980er-Jahre finden in Westberlin Ichgola Androgyn, BeV StroganoV, Tima die Göttliche und Ovo Maltine zusammen und entwickeln gemeinsam Shows, Politaktionen und Medienauftritte. Sie arbeiten zusammen, streiten und lieben sich, denn sie verstehen sich als eine Familie.
Una mujer fantástica A Fantastic Woman | Eine fantastische Frau
TEDDY 40
von Sebastián Lelio | mit Daniela Vega, Francisco Reyes, Luis Gnecco, Aline Kuppenheim, Nicolas Saavedra
Chile / USA / Deutschland / Spanien 2017
Als Marinas Partner stirbt, sieht sich die Transgender-Frau mit den Vorurteilen und der Wut seiner Familie konfrontiert. Mit ungebrochener Energie kämpft sie für ihr Recht auf Trauer, so wie sie früher dafür gekämpft hat, als Frau zu leben.
Verführung: Die grausame Frau Seduction: The Cruel Woman
TEDDY 40
von Elfi Mikesch, Monika Treut | mit Mechthild Grossmann, Udo Kier, Sheila McLaughlin, Carola Regnier, Georgette Dee
Bundesrepublik Deutschland 1985
Ein Forumsfilm, der heute noch ist, was das Herz 1985 schon begehrte: queer & sinnlich, Drama & SM, kühl & heiß, Avantgarde & Subversion, Schwärmer & Toilettensklaven, Camp & Kritik, „Venus im Pelz“ & Eighties pur. Treut & Mikesch. – & Udo forever!
Daniela Vega in Una mujer fantástica (A Fantastic Woman) by Sebastián Lélio
© Piffl Medien