universalNachtrag: Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 8. Januar 2026, Teil 17

Redaktion

Berlin (Weltexpresso) - Als Craig Brewer beim Indie Memphis Film Festival 2008 den Dokumentarfilm Song Sung Blue von Greg Kohs zum ersten Mal sah, wusste er noch nichts über die darin behandelten Themen: Der Film erzählte von den bewegenden, unvorhersehbaren Freuden und Leiden eines echten Ehepaares aus Milwaukee, das eine Neil-Diamond-Tribute-Band gründet. Und obwohl Brewer damals aus purer Neugier ins Kino gegangen war, sollte ihn die Geschichte die nächsten 15 Jahre begleiten. „Ich erinnere mich noch genau, dass ich dachte, dass dies die Art von Geschichte ist, die ich zu einem großen Film machen könnte – wenn ich denn jemals die Chance dazu bekäme“, erinnert sich der Filmemacher. „Ich weiß, dass es in dem Film viele Momente gibt, die man als tragisch bezeichnen könnte. Dennoch inspirierte mich diese Liebesgeschichte sehr. Ich fühlte mich nicht nur den Figuren verbunden, sondern auch dem Filmemacher, der diesen Film realisiert hat.“

Brewer war beeindruckt von der Geschichte, die über die Motive des Dokumentarfilms hinausging und ihm als unabhängigem Filmemacher sehr vertraut war: Ein kleiner Film auf einem kleinen Festival erzählte von kleinen Musiker*innen, die an große Träume glauben – und diese unermüdlich weiterverfolgten. „Ich hatte in vielerlei Hinsicht das Gefühl, dass es genau das Richtige für mich war“, sagt Brewer. „Ich konnte verstehen, was den Filmemacher vermutlich antrieb, der so viel Zeit seines Lebens darauf verwendet hatte, diese Geschichte zu erzählen. Es war eine ähnliche Verbindung wie bei Mike und Claire, denn auch sie hatten ihre ganze Zeit und Energie in diese Band gesteckt. Es ist nicht die Art von Entwicklung, in der sie plötzlich einen großen Plattenvertrag ergattern. Das ist in der Regel nicht die Story, die man über die Mehrheit der Künstler*innen erzählt.“

Es war vielmehr eine Geschichte, deren Leinwandpotenzial Brewer, dessen Filme oft die Arbeiterklasse zum Thema haben, sofort erkannte. Was er in Mike und Claire sah, war eine  Variante der Art von Story, zu der sich der Regisseur oft hingezogen fühlt. Es ging um bestimmte Menschen in bestimmten Situationen, die nach Höherem streben. Dennoch dauerte es noch einige Jahre, bis Brewer nach dem Erfolg von Dolemite Is My Name von 2019 auf das Thema zurückkam. Der Produzent des Films, John Davis, wollte erneut mit Brewer zusammenarbeiten und fragte ihn nach Ideen.

„Wir setzten uns zusammen und er sagte: ‚Du wirst das wahrscheinlich nicht machen wollen, aber ich habe da eine Idee für einen Film, den ich gerne drehen würde.‘ Anschließend erzählte er mir die Geschichte“, erinnert sich Davis. „Ich sagte: ‚Packen wir es an.‘“ Davis war sofort überzeugt von Brewers Geschichte über ein Paar, das trotz aller Widrigkeiten
seine eigene Version des amerikanischen Traums fand und verwirklichte. „Es ist die Story von zwei Menschen, die etwas erreichen wollten – und sie haben es geschafft, in ihrer eigenen 
Gemeinschaft, auf ihre eigene Art und Weise. Das war wirklich schön“, sagt Davis. „Es geht um ganz normale Menschen, die ihre großen Träume gefunden und sie in ihrem jeweiligen
Umfeld umgesetzt haben.“

Dieser Kampfgeist sprach Brewer auf persönlicher Ebene an. „Verrückte Menschen haben mich schon immer fasziniert, besonders in der Musikbranche“, erklärt Brewer. „Genau diese
Eigenschaft habe ich in Mike gesehen. Da ist ein Hauch von Wahnsinn in seinen Augen, wenn er erklärt, dass er der größte Neil-Diamond-Imitator ist und damit zum Star werden wird. Ich
beneide ihn darum. Ich bewundere schon immer Menschen, die nicht nur die Zweifler in ihrem Leben zum Schweigen bringen können, sondern auch den größten Zweifler von allen – uns
selbst. Sie verfolgen einfach ihr Ziel und geben dabei immer Vollgas.“

In SONG SUNG BLUE, der Spielfilmadaption, die Brewer schließlich schreiben und inszenieren sollte, treibt Mike (Hugh Jackman) und Claire Sardina (Kate Hudson) vorrangig die Leidenschaft für Musik an, als sie die Neil-Diamond-Tribute-Band „Lightning & Thunder“ gründen. Der Film ist eine epische Liebesgeschichte, die von Triumph, Tragödie und den Songs einer amerikanischen Legende geprägt ist. Er begleitet das Paar, das sich erst spät im Leben begegnet und seinen Weg aus einer kleinen Garage auf die größten Bühnen Milwaukees findet.

„Es ist ein Märchen aus der Arbeiterklasse“, erklärt Jackman, der in seiner bisher wohl anspruchsvollsten Rolle den Charakter Mike spielt. „Da sind zwei Menschen aus der  Arbeiterschicht, die versuchen, über die Runden zu kommen und mehrere Jobs haben. Gleichzeitig verfolgen sie den Traum, auf der Bühne zu stehen, weil sie sich dort am lebendigsten fühlen. Es ist ein Märchen, weil sie so fest an ihrem Traum festhalten und mit unendlich viel Überzeugung, Hoffnung und Zuversicht versuchen, ihn Wirklichkeit werden zu lassen. Aber der Weg zu Ruhm und Erfolg verläuft nicht immer gerade.“

Tatsächlich sind die Erfolge der Außenseiter*in Mike und Claire nicht zuletzt durch ihre Misserfolge geprägt. Brewer hat die bewegende Geschichte nach Gesprächen mit der echten
Claire Sardina, ihrer Tochter Rachel (Ella Anderson) und ihrem Sohn Dayna (Hudson Hensley) rekonstruiert.„Ich hatte Zoom-Calls mit ihnen und dabei viele Geschichten gehört, die nicht in der Dokumentation vorkommen. Es waren kleine Details, die größere Szenen und Momente inspiriert haben“, erinnert sich Brewer.

Anhand dieser Erinnerungen verfasste Brewer ein Drehbuch, das ihm zufolge keine exakte Wiedergabe ihres Lebens sein sollte, sondern vielmehr eine Verfilmung für die große Leinwand, die die Seele und die Inspiration ihrer Geschichte zum Ausdruck bringt. „Ich habe ihnen erklärt, dass es so ist, als würde ich einen Song schreiben und ich ihre Hilfe gebrauchen
könnte. Denn so könnte sichergestellt werden, dass ich zumindest das Herzstück treffe“, so Brewer. „Alle haben mich dabei tatkräftig unterstützt. Als sie schließlich das Drehbuch lasen,
spürten sie es auch.“

Im Zentrum des Songs steht die unerschütterliche Liebe zwischen Mike und Claire: eine tiefe Verbundenheit, die selbst einer unerwarteten Tragödie standhält. 
 
Aus dieser dunklen Stunde heraus entfaltet SONG SUNG BLUE die bewegende Geschichte von „Lightning & Thunder“, die aus Schmerz Stärke und Hoffnung schöpfen. Die Besetzung von Mike und Claire 

Als Brewer zusammen mit den Casting-Chefinnen Mary Vernieu und Lindsay Graham Ahanonu Jackman zum ersten Mal fragte, ob er die Rolle des Mike in SONG SUNG BLUE  übernehmen wolle, spürte der Schauspieler, dass diese Story für ihn bestimmt war. Als er Kohs’ Dokumentarfilm sah, fühlte er sich sofort mit der Geschichte eines Arbeiterpaares
verbunden, das nicht wegen des Ruhmes, sondern aus Liebe zur Bühne seinen Träumen folgte.

„Es war eine faszinierende, wunderschöne Idee, die ich als Liebeserklärung an Hobby-Musiker*innen auf der ganzen Welt empfand“, so Jackman. „Die Grenze zwischen einem großen Star und einem Niemand scheint willkürlich und fließend zu sein. Dies war eine Hommage an all jene Menschen, die eine Spendenbüchse vor sich stehen haben und neben drei Jobs auch noch auftreten. Sie tun es aus Liebe zur Musik, das ist einfach fantastisch. Für mich ist das eine Liebeserklärung an sie.“

Als Mike Claire kennenlernt, trinkt er bereits seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Er arbeitet als Mechaniker und erledigt Gelegenheitsjobs, um über die Runden zu kommen. Zugleich tut er
alles in seiner Macht Stehende, um auf der Bühne zu stehen und zu spielen. „Auf dem Papier sieht es nach einem harten Kampf aus, aber er scheint einfach einen gewissen Optimismus
und einen unerschütterlichen Glauben daran zu haben, dass er seinen Traum verwirklichen wird“, sagt Jackman. „Er verliert nie sein Ziel aus den Augen: Musiker zu sein und die Leute
zu unterhalten. Er ist ein echter Entertainer in dem Sinne, dass er es liebt, Menschen glücklich zu machen.“

„Ich habe Hugh gesagt, dass er ein bisschen wahnsinnig sein darf“, erinnert sich Brewer. „Ich wollte diesen eigenwilligen Typen sehen, der seinem verrückten Traum nachjagt und dabei an seine Grenzen geht. Er bricht fast zusammen, macht aber einfach weiter. Hugh erkannte, dass er das unbedingt wollte. Als Fan von Hugh Jackman finde ich, dass dies eine seiner besten Performances ist – wenn nicht sogar seine beste.“

Brewer sah, dass dieser Aspekt von Hughs Darstellung etwas besonders Emotionales auslöste: Er konnte beobachten, wie bewegt seine Crew angesichts Jackmans Performance
am Set war. „Vor allem die Männer am Set meinten, er erinnere sie an ihren Vater oder an sie selbst“, so Brewer. „Er verkörpert all das, was wir nicht aussprechen können. Wir alle wollen einfach nur unser Bestes geben, um unsere Träume zu verwirklichen. Zugleich haben wir aber Angst, unsere Familien zu enttäuschen. Hugh ist einfach ein großartiger Typ, der zu jedem freundlich ist. Aber er ist auch ein Actionheld. Deshalb hat es die Menschen auf ganz besondere Weise angesprochen, ihn so zu sehen – als jemand, der Qualen durchleidet, verzweifelt nach Glück sucht und anderen Freude schenken will.“
 
Inmitten dieser Leidenschaft begegneten sich Jackman und Hudson. Bevor die beiden am Set zusammenarbeiteten, trafen sie zunächst im Studio aufeinander, um den Gesang für den Film aufzunehmen. „Hugh war in seiner Rolle Mike einfach ein Traum“, schwärmt Hudson. „Es gibt gewisse Menschen, bei denen man sich einfach vollkommen sicher fühlt, wenn man kreativ mit ihnen zusammenarbeitet. Wir wissen genau, wie es ist, das Auftreten zu lieben. Hugh und ich könnten vor zwei Leuten auf der Bühne stehen, singen und einfach glücklich sein. Wir haben beide diesen Antrieb, das ist für uns ganz natürlich.“

Zum Zeitpunkt des Treffens schlägt sich Claire als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern mühsam durchs Leben. Sie arbeitet als Friseurin und singt nebenbei als Patsy-Cline-mitatorin.
Genauso wie Patsy Cline ist sie trotz aller Widrigkeiten von Leidenschaft und Optimismus angetrieben. „Es ist, als würde sie die Schwierigkeiten ihres Lebens einfach ignorieren und mit voller Energie nach vorn blicken“, sagt Hudson, die Claire mit Leidenschaft und emotionaler Intensität verkörpert. „Man trifft manchmal auf solche Menschen: Ihre Lebensumstände
bestimmen nicht unbedingt ihr Leben. Sie sind voller Energie und Lebensfreude und glauben daran, dass alles besser werden wird. So ist Claire. Aber sie hat auch eine andere Seite – sie
steckt voller Kraft und Begeisterung, kann aber auch sehr tief fallen.“

Diese Schattenseite wird deutlich, als ein Unfall Claires Leben auf den Kopf stellt und es mit „Lightning & Thunder“ plötzlich vorbei ist. Die Darstellung von Claire erforderte ein komplexes
Gleichgewicht zwischen beiden Polen: Claires feurige und geradezu magnetische Ausstrahlung auf und jenseits der Bühne, aber auch die Finsternis, in die sie schließlich abgleitet. Die beschriebene Komplexität erkannte Brewer in Hudson, die er bereits seit Jahren kannte, in einem Moment, den er mit kosmischer Fügung vergleicht. Als er mit dem Schreiben des
Drehbuchs für SONG SUNG BLUE begann, wurde dem Regisseur schnell klar, dass die Rolle der Claire etwas ganz Besonderes erforderte.

„Es gab eine unvermeidliche Komponente bei dieser Rolle: Die Person musste singen können. Wir wollten niemanden casten und hoffen, dass sie vielleicht eine gute Stimme hat“, sagt
Brewer. „Zudem sollte die Person für das Publikum als Mutter überzeugend sein. Wir mussten glauben, dass sie einerseits ihren Traum verfolgt, andererseits aber auch das Mittagessen
zubereitet und die Kinder von der Schule abholt.“Während des Castings sah Brewer zufällig eine Folge von CBS Sunday Morning, in der Hudson zu Gast war. „Sie sagte, dass sie es leid sei, auf Rollen zu warten, und sie singen möchte“, erinnert sich Brewer. „Ich sah sie an und dachte: ‚Oh mein Gott, da ist sie ja!‘ Sie erzählte noch, dass ihr Sohn gerade seinen Highschool-Abschluss gemacht hat. Dann begann sie zu weinen. Sie ist eben eine echte Mama! Es war offensichtlich, dass sie die Richtige war.“

Hudson erinnert sich, dass sie das Drehbuch zum ersten Mal wie im Rausch las und dann plötzlich in Tränen ausbrach. „Es hat mich umgehauen“, erinnert sie sich. „Was mir beim ersten
Lesen besonders auffiel, war, dass solche Filme heute nicht mehr gedreht werden. Umso unglaublicher war es, ein solches Skript zu lesen. Schon seit unserem ersten Treffen, als ich
21 oder 22 war, wollte ich mit Craig zusammenarbeiten. Es ist einfach verrückt, dass so viel Zeit vergangen ist und wir so viele Erfahrungen sammeln durften. Nun kommen wir endlich
zusammen, um einen Film zu drehen.“ „Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet, wie unglaublich sie diese Rolle spielt, wie fantastisch sie am Set ist, was für eine tolle Atmosphäre sie schafft, wie viel Spaß es ihr macht und wie engagiert sie ist“, so Jackman. „Die Figur, die sie geschaffen hat, ist einfach magisch. Sie bringt dein Herz zum Schmelzen.“

Foto:
©Verleih


Info:
STAB
Regie CRAIG BREWER
Drehbuch CRAIG BREWER
Nach dem Dokumentarfilm von GREG KOHS

BESETZUNG
Rolle Schauspieler*in Synchronstimme
Mike/Lightning HUGH JACKMAN Thomas Nero Wolff
Claire/Thunder KATE HUDSON Bianca Krahl
Mark Shurilla MICHAEL IMPERIOLI Viktor Neumann
Rachel ELLA ANDERSON Nisha Wunder
Angelina KING PRINCESS Franziska Trunte
Sex Machine MUSTAFA SHAKIR Tobias Schmitz
Dayna HUDSON HENSLEY Atreju Marti
Eddie Vedder JOHN BECKWITH Oscar Hoppe
Dr. Dave Watson FISHER STEVENS Hans Hohlbein
Tom D’Amato JIM BELUSHI Joachim Tennstedt

TECHNISCHE DATEN
Hauptfilm: SONG SUNG BLUE
Bildformat: Flat 2D
Tonformat: Dolby 5.1, 7.1, Atmos
Sprachfassungen: GV, OV & OmU
Laufzeit: 132 Min 36 Sek
Motionchair: N/A
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren, FF
Deskriptoren: Gewalt, Bedrohung, Verletzung
Barrierefrei: G&S
Credit Offset: 02:06:42:00

Abdruck aus dem Presseheft