kuchen2Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom Donnerstag, 5. Februar 2026, Teil 1


Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Der Irak in den 90er-Jahren. Während Diktator Saddam Hussein trotz Not und Mangel seinen Geburtstag landesweit feiern lässt, zieht die 9-jährige Lamia in ihrer Schule ein gefürchtetes Los: Sie muss den Kuchen für die örtlichen Feierlichkeiten backen. Es ist eine fast unlösbare Aufgabe, denn im Land sind alle Lebensmittel knapp. Eier, Zucker und Mehl sind es erst recht. Doch sie muss es schaffen, sonst drohen ihrer Familie harte Strafen. Mit nur zwei Tagen Zeit, der Unterstützung ihres Klassenkameraden Saeed und begleitet von ihrem Hahn Hindi bricht sie auf, um in der nächsten Stadt die Zutaten aufzutreiben.


Es ist eine abenteuerliche Suche durch eine Welt voller Ungewissheit und Entbehrung, aber auch kleiner Wunder, in der Lamia immer wieder Momente von Humor, Freundschaft und Hoffnung erlebt.

Einen Kuchen für den Präsidenten backen, während das Land hungert? Aus dieser einfachen Prämisse entwickelt Autor und Regisseur Hasan Hadi einen bewegenden und bittersüßen Abenteuerfilm, in dem kindliche Unschuld auf die harsche Wirklichkeit eines unterdrückten Landes trifft. Und in dem die Menschlichkeit immer wieder kleine, aber entscheidende Siege erringt.

Hadi verarbeitet mit seinem Debütfilm seine eigene Kindheit in den betörend schönen Marschlandschaften des Südirak und erzählt sie mit einem reinen LaienEnsemble, in dem die kleine Baneen Ahmed Nayyef (Lamia) alle überragt. Ihr Herz, Optimismus und unterschwelliger Humor tragen die Reise der kleinen Lamia, die nicht aufgibt und gegen alle Widerstände in der männerdominierten Welt ihren Weg geht.

Seine Weltpremiere feierte Hasan Hadis Spielfilmdebüt im Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, wo er mit dem Publikumspreis der Nebenreihe „Quinzaine des cinéastes“ und der Caméra d’Or für den besten Debütfilm ausgezeichnet wurde. „Ein Kuchen für den Präsidenten“ wurde vom Irak für die Oscars® 2026 in der Kategorie „Bester internationaler Film“ eingereicht. 


Der Film im Detail

Die neunjährige Lamia und ihre Oma Bibi leben in einer einfachen Hütte in der Marschlandschaft des südlichen Iraks. Während Kampfflugzeuge über den Himmel brausen, gehen die beiden mit Plastikcontainern zur Wasserausgabe. Im Land herrscht Armut und Lebensmittel sind knapp. Aber der Geburtstag von Saddam Hussein steht an – und das soll gebührend gefeiert werden. Als Lamia am Abend mit dem Nachbarsjungen Saeed für Mathe übt, erzählt dieser vom Jahrmarkt in der Stadt, und die Kinder fragen sich, ob der Präsident die Geburtstagskuchen, die ihm zu Ehren gebacken werden, eigentlich alle allein isst.

Wie jeden Morgen paddelt Lamia mit ihrem Boot zur Schule. Dort werden den Kindern Durchhalteparolen eingeimpft, in denen der Präsident gelobt wird: „Mit unserem Blut und unseren Seelen opfern wir uns für dich, Saddam!“ Anschließend wird im Unterricht ausgelost, welche Kinder anlässlich Saddam Husseins anstehendem Geburtstag etwas für die Feierlichkeiten in der Schule mitbringen sollen.

Als Saeed ausgelost wird, Obst mitzubringen, gibt er an, das nicht übernehmen zu können – an dem Tag müsse er mit seinem Vater in die Stadt. Der strenge Lehrer, ein Ex-Soldat, droht damit, Saeeds Familie zu bestrafen. Lamias Name wird bei der angeblich ehrenvollsten, aber in Wahrheit schwersten Aufgabe aus der Loskiste gezogen: Sie bekommt den Auftrag, anlässlich des Präsidentengeburtstags einen Kuchen zu backen.

Das stellt das mittellose Mädchen vor ein Problem. Wieder zuhause bittet Lamia ihren Hahn Hindi, einmal zu krähen, wenn sie ihrer Oma die Geschichte verschweigen und sie anlügen, und zweimal, wenn sie die Wahrheit sagen soll. Der Hahn kräht einmal – und Lamia sagt erst einmal nichts. Doch Bibi weiß eh schon, welche schwere Aufgabe ihrer Familie übertragen wurde, und kündigt an, mit Lamia am nächsten Tag in die Stadt zu gehen, um die Zutaten zu besorgen: Drei Eier „für die Fruchtbarkeit“, ein Kilo Mehl „für die Lebenskraft“, 500 Gramm Zucker „für ein süßes Leben“, und Backpulver „für einen luftigen Kuchen“.

Am frühen Morgen machen sich Bibi, Lamia und Hahn Hindi auf den langen Weg in die Stadt – Bibi hat ihre wenigen Wertgegenstände eingepackt, unter anderem eine Taschenuhr, die einst Lamias Vater gehörte. Sie werden von einem Mann namens Yasin in einem mit Blumen geschmückten Auto mitgenommen, der ihnen erklärt, dass er Postbote sei. Sein Mitfahrer, dessen Kopf mit Mullbinden umwickelt ist, stellt sich als ein Bräutigam auf dem Weg zu seiner Hochzeit heraus – allerdings habe er seine Zukünftige noch nie gesehen, weil ein US-amerikanischer Angriff ihm das Augenlicht nahm, als er sie zum ersten Mal habe treffen wollen. Zumindest müsse er sich so keine Sorgen um das Aussehen seiner Braut machen, erzählt der Mann lachend.

Bei einem Streckenposten werden sie von den Soldaten zu einer Geldspende „anlässlich des Präsidentengeburtstags“ aufgefordert, während im Hintergrund eine junge Frau von einem Soldatenzelt ins nächste geführt wird. Später auf dem Markt tauscht Bibi das alte, aber noch funktionstüchtige Radio gegen eine neue Schuluniform für Lamia. Sie besuchen die Besitzerin eines Restaurants, die eine Freundin von Bibi zu sein scheint, und Lamia liebevoll etwas zu essen anbietet. Doch dann kündigt Bibi zu Lamias Erschrecken an, das Mädchen dort, bei der Frau in der Stadt lassen zu wollen: Sie selbst sei zu alt, um sich weiter um Lamia zu kümmern. Lamia ist verzweifelt. In einem unbeobachteten Moment ergreift sie mit Hindi die Flucht.

Sie schafft es bis zum Jahrmarkt, von dem Saeed gesprochen hat – allerdings findet sie dort weder Saeed noch seinen Vater. Kurz darauf sieht sie ihren Freund: Er stiehlt einem Passanten die Brieftasche, und übergibt sie an seinen Vater. Weil ein Polizist aufmerksam wird, flüchten die beiden Kinder und können entkommen. Lamia verschweigt Saeed, dass ihre Oma sie weggeben wollte, und zeigt ihm die Zutatenliste für den Kuchen.

Währenddessen bittet die verzweifelte Großmutter Bibi einen Beamten in einer Polizeistation, die – wie die gesamte Stadt – mit Fotos und Porträts Saddam Husseins geschmückt ist, ihr bei der Suche nach ihrer Enkelin zu helfen. Er behauptet jedoch, man habe wegen des Präsidentengeburtstags zu viel zu tun, und verunglimpft sie als Bäuerin. Schimpfend macht Bibi eine Szene. Dabei trifft sie Yasin, den Postboten wieder, der in der Station Briefe ausliefert - Dank seiner Hilfe erstellt ein Beamter eine Fahndungszeichnung. Doch die an Diabetes erkrankte Bibi ist so erschöpft, dass sie ohnmächtig wird. Yasin bringt sie in ein Krankenhaus, wo eine Ärztin sie untersucht und erklärt, dass wegen der Sanktionen die notwendigen Medikamente zur Behandlung fehlen. Der Postbote verspricht ihr, Lamia zu finden, und bei der Polizei Druck zu machen.

Die Kinder betreten derweil einen Gemischtwarenladen, dessen Besitzer Izzat gerade eine hochschwangere Kundin bedrängt und sie zu Sex gegen Lebensmittel zu überreden versucht. Als Lamia und Saeed nach Zucker fragen, schickt Izzat sie entnervt weg. Die Kundin erklärt sich jedoch bereit, ihm seinen Wunsch zu gewähren - als Gegenleistung soll er den Kindern Zucker und ihr die gewünschten Lebensmittel geben. Er lässt sich darauf ein und führt die Frau ins Hinterzimmer. Was dort passiert, scheint jedoch die Geburt auszulösen – schimpfend fährt Izzat Lamia, Saeed und die Frau daraufhin ins Krankenhaus, und macht sich aus dem Staub.

Im mit verwundeten Soldaten überfüllten Hospital stiehlt Saeed einem Patienten Obst und eine Flasche Cola. Die Kinder versuchen weiter, ihre Habseligkeiten – die Uhr von Lamias Vater und etwas Kleidung – gegen Mehl, Zucker und Eier umzutauschen. Ein Händler, der im Rollstuhl sitzt, will für fünf Eier 2.500 Dinare (fast ein Monatsgehalt) haben. Weil Saeed und Lamia ihm jedoch seine schwere Ware hochtragen, erklärt er sich bereit, ihnen die Eier umsonst zu geben. Mit der Hilfe von Saeeds Überredungskünsten gelingt es ihnen schließlich die Uhr an einen Uhrenhändler zu verkaufen. Doch die böse Überraschung erleben sie in einer Bäckerei: Der Uhrenverkäufer hat sie mit Falschgeld bezahlt. Verzweifelt stiehlt Lamia Mehl aus dem Lagerraum, und geht danach in eine Moschee, um durch Beten Buße zu tun. Saeed soll währenddessen auf ihren geliebten Hindi aufpassen – doch der Hahn wird in einem unaufmerksamen Moment geklaut. Es kommt zu einem Streit zwischen Lamia und Saeed, bei dem sie sich Gemeinheiten an den Kopf werfen. Traurig und allein wandert Lamia durch die Straße, und folgt jemandem, der Hühner trägt, zu einem Geflügelhändler. Dort ist ihr Hahn Hindi tatsächlich gelandet, und wurde zum Glück noch nicht geschlachtet. Der Händler schenkt ihr sogar Zucker und verspricht, ihr Backpulver von zuhause zu holen, wenn sie mit ihm mitkäme. Auf dem Weg begegnen sie einer großen Jubelparade – die Menschen tragen Bilder des Präsidenten und rufen wieder „Mit unserem Blut und unseren Seelen opfern wir uns für dich, Saddam!“.

Der Händler führt Lamia in ein Kino und erklärt, sie würden sich jetzt einen wunderbaren Film anschauen, danach bekäme sie das Backpulver. Plakate verraten, dass es sich um ein Sexkino handelt – und Lamia läuft weg, mitten in eine Gegendemonstration. Weil der Händler „Diebin“ ruft, wird sie von Polizisten verhaftet und auf die Station gebracht. Dort entdeckt Yasin sie, und eilt mit ihr ins Krankenhaus zu Bibi. Aber sie kommen zu spät: Lamias Großmutter ist gestorben.

Das Hochzeitsauto wird zum Leichenwagen umfunktioniert, und der Postbote fährt die still weinende Lamia und Bibis Sarg bei Einbruch der Nacht zurück nach Hause. Bei der von Gebetsformeln begleiteten Beerdigung trifft Lamia wieder auf Saeed. Gemeinsam mit Saeed und seiner Mutter backt sie schließlich den Kuchen und rudert nachts mit dem Boot auf den Fluss hinaus, um zu trauern.

Am nächsten Tag wird der Geburtstag des Präsidenten gefeiert. Die Kinder tragen ihm zu Ehren Uniformen, und rufen Parolen. Lamias Lehrer macht sich über das Obst lustig, das Saeed mitgebracht hat, Lamias Kuchen findet er jedoch saftig genug und dem Anlass angemessen. Ein Bombenangriff der Amerikaner erschüttert in diesem Augenblick die Schule – und Saeed lenkt Lamia mit einem Spiel ab, das die beiden immer spielen: Sie starren sich in die Augen, und versuchen, nicht zu blinzeln. Bis Lamia die Tränen kommen.


Foto:
©Verleih

Info:
Besetzung
Lamia Baneen Ahmed Nayyef
Saeed Sajad Mohamad Qasem
Bibi Waheeda Thabet Khreibat
Jasim Rahim AlHaj
Stab
Drehbuch und Regie Hasan Hadi
Laufzeit 102 min
Bildformat 1,85:1
Produktionsländer USA, Irak, Katar

Abdruck aus dem Presseheft