kuchen4Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom Donnerstag, 5. Februar 2026, Teil 3


Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - 
- 1957: Saddam Hussein tritt mit 20 Jahren in die illegale Baath-Partei ein
- 1958: Die Monarchie wird durch einen Militärputsch gestürzt. König Faisal II. sowie seine Familie werden getötet, der Irak wird eine Republik unter General Abd al-Karim Qasim.
- 1959: Nach einem gescheiterten Attentat auf Qasim muss Saddam ins Exil.


- 1963: Staatstreich der Baath-Partei, gefolgt von einer Phase instabiler Militärregierungen: Saddam Hussein kehrt zurück in den Irak.
- 1968: Die Baath-Partei unter Ahmed Hassan al-Bakr übernimmt endgültig die Macht – Saddam Hussein steigt in der Partei weiter auf und wird Vizepräsident.
- 1979: Mit 42 Jahren wird Saddam Hussein Staatspräsident und Regierungschef des Irak. Sofort führt er eine blutige Säuberungswelle in der Parteiführung durch und sichert sich die unumschränkte Macht im Staat.
- 1980: In der Gewissheit eines schnellen Sieges greift Saddam Hussein den instabilen Iran an und beginnt den Ersten Golfkrieg.
- August 1988: Der Golfkrieg endet mit einem Waffenstillstand, auf beiden Seiten gibt es bis zu 850.000 Tote
- 1990: Der Irak wirft Kuwait den Ausbau der Ölproduktion auf Kosten des Iraks vor und überfällt das benachbarte Emirat. Beginn des Zweiten Golfkriegs (Irak-Kuwait-Krieg) – Die UN verhängen weitreichende Sanktionen gegen das Land.
- 1991: Unter dem Namen „Desert Storm“ beginnt die Intervention einer USgeführten Koalition mit Ermächtigung der Vereinten Nationen, da man die globale Energieversorgung bedroht sähe
- 1993: US-Raketenangriffe auf Bagdad mit vielen zivilen Opfern, Hussein wird abgesetzt, behält aber die Macht - 1994: Saddam Hussein wird wieder Regierungschef - 1995: Eine Militärrebellion gegen Hussein wird niedergeschlagen - 1996: Übergriffe auf die kurdische Schutzzone lösen weitere Raketenangriffe der USA aus
- 1997: Irak nimmt diplomatische Beziehungen zu Syrien auf, iranische Flugzeuge bombardieren irakisches Gebiet.
- 1998: Treffen zwischen Außenministern des Iran und des Irak in Teheran. Kofi Annan und Tariq Aziz unterzeichnen ein Abkommen zur Beilegung des Irak Konflikts. Irak schließt mit Syrien einen Vertrag über Erdöllieferungen
- 1998: US-Luftangriffe („Operation Desert Fox“) mit britischer Unterstützung
- 2000: US- und britische Luftangriffe werden weitergeführt. Der Irak erlässt ein Gesetz, nach dem Kritik an Saddam Hussein mit Abschneiden der Zunge geahndet wird.
- 2001: Unter dem neuen Präsidenten George W. Bush fliegen USKampfflugzeuge Angriffe gegen Ziele in der unmittelbaren Nähe von Bagdad, US- und britische Luftangriffe auf irakische Radar- und Luftabwehrstellungen. 
- 11. September 2001: Saddam Hussein begrüßt die Terrorangriffe gegen die USA
- 2002: Präsident Bush erklärt Irak zum Mitglied der „Achse des Bösen“, US-und britische Flugzeuge greifen Ziele im südlichen Irak an.
- 2003 Der Außenminister der USA legt im UN-Sicherheitsrat fragwürdige Geheimdienstinformationen vor, die Verstöße des Iraks beweisen sollen. Der Irakkrieg (Dritter Golfkrieg) beginnt durch einen Angriff der USA und Großbritanniens in Bagdad. Die zweitgrößte Stadt Basra fällt an die Briten, US-amerikanische Streitkräfte nehmen Bagdad ein. Mit dem Fall von Tikrit endet der Dritte Golfkrieg.
- 13. Dezember 2003: Saddam Hussein wird von US-Truppen in einem Erdloch gefunden und festgenommen. Die UN-Sanktionen werden schrittweise gelockert.
- 2006 wird Saddam Hussein nach einem Prozess wegen Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegs- und weiterer Verbrechen in einem Vorort von Bagdad durch Hängen hingerichtet.

Hintergrund: Das letzte Jahrzehnt unter Saddam Hussein

Wiege der Zivilisation – Mesopotamien, das fruchtbare Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris – einst berühmt für seinen Reichtum und seine Kultur. Heute liegt es im Irak, der vor 1980 einer der am besten entwickelten Länder des Nahen Ostens war. Doch über 20 Jahre Krieg, Sanktionen und der diktatorische Herrschaft Saddam Husseins machten es bis Anfang der 2000er zu einem der ärmsten Länder der Welt.

Die UN-Sanktionen, die 1990 verhängt wurden und das ganze Jahrzehnt andauerten, isolierten das Land wirtschaftlich und trafen vor allem die Zivilbevölkerung hart – „man schleppte sich von einem elenden Tag zum nächsten“, wie ein irakischer Autor die Stimmung jener Zeit beschrieb. Die Krankenhäuser konnten ihre Gesundheitsversorgung nicht mehr aufrechterhalten: Weder Medikamente noch steriles Verbandszeug standen zur Verfügung. Der illegale Handel mit Organen wuchs. Weil der Zugang zu sauberem Trinkwasser immer schwerer wurde, kehrten Krankheiten wie Typhus, Cholera und Durchfallerkrankungen zurück. Die Ärzt:innen waren machtlos.

„Wenn meine Kinder mich nach Kuchen fragen, werde ich traurig, weil ich es mir nicht leisten kann“, berichtete eine Mutter – ein einzelner Kuchen kostete rund 3.000 Dinar, also so viel wie ein ganzer Monatslohn.

Die Hyperinflation zerstörte den Mittelstand völlig. In Bagdad konnte man erleben, wie ein angesehener Universitätsprofessor abends Luxusautos wusch, um zu überleben. Während die einen ums tägliche Brot kämpften, wurden wenige andere reich: Bauern und Händler verdienten mit überteuerten Schwarzmarktpreisen plötzlich ein Vermögen. Diese Schicht feierte Partys in Luxus-Hotels, während draußen vor der Tür Kinder aus vormals gut situierten Familien um ein paar Dinar bettelten, um Brot zu kaufen. Solche krassen Gegensätze prägten den Alltag in einem Land, das auf riesigen Ölreserven saß, diese aber nicht verkaufen durfte.

Das irakische Fernsehen zeigte jedoch Propaganda: In Fernsehsendungen wie "Ein Gedicht für Saddam" wurden dem Präsidenten Loblieder gesungen, begeisterte Menschen beklatschten ihren Herrscher. Überall im Land lächelte der Präsident tausendfach von Plakaten, Wandgemälden und Bildern. Die ausgestrahlten Jubelszenen waren in Wahrheit Wiederholungen längst vergangener Paraden.

Kritiker:innen des Präsidenten und seiner Regierung drohten harte Strafen: Überwacht wurde der öffentliche und private Raum von Sicherheitsdiensten. Die Folge war ein Vertrauensverlust innerhalb der Gesellschaft. Da auch die Kommunikation über das Telefon eingeschränkt war, und die Medien vom Staat kontrolliert wurden, gab es kaum Möglichkeiten, an unabhängige Informationen zu kommen. Laut Menschenrechtsorganisationen verschwanden während Husseins Herrschaft an die 200.000 Menschen. Schon wer kein Foto des Diktators aufhing, musste mit eventuell lebensbedrohenden Konsequenzen rechnen. Solche Beispiele verbreiteten unter den Menschen ein Klima ständiger Angst.

Und doch: Trotz all der Dunkelheit gab es auch Lichtblicke im Alltag. In den Familien und Nachbarschaften half man einander, teilte das bisschen Essen, das man hatte, und trostspendende Worte. Während Saddam Millionen in seine 48 prunkvollen Paläste und Monumente investierte, hielten normale Leute mit kleinen Gesten ihre Würde aufrecht. Ein Vater opferte seine eigenen Mahlzeiten, trank nur Tee und aß Brot, damit seine Kinder wenigstens ein paar Kartoffeln mehr bekamen. Eine Mutter erzählte ihren hungrigen Kindern Geschichten von der einstigen Pracht ihres Landes – von den schimmernden Sümpfen im Süden, den Palmenhainen und den uralten Städten – um ihnen Mut zu machen. „Wir wissen, dass diese Lage nicht für immer sein kann… Gott ist mit uns. Allah wird uns nicht verlassen“, sagte hoffnungsvoll eine junge irakische Mutter inmitten der Versorgungsnot. Dieses unerschütterliche Vertrauen und der menschliche Zusammenhalt halfen vielen, die schweren Jahre zu überstehen. Inmitten von Hunger, Furcht und Entbehrung erstrahlten immer wieder Momente von Freundschaft und Güte, die zeigten, dass die Menschlichkeit selbst im Würgegriff von Diktatur und Sanktionen nicht gänzlich verloren ging.     

QUELLEN:  
Makiya Has No Regret About Pressing the War in Iraq — https://www.meforum.org/middle-east-quarterly/confessions-of-an-anti-sanctionsactivist Liebe und Sanktionen im Irak der 1990er Jahre — https://qantara.de/artikel/shahadal-rawis-roman-baghdad-clock-liebe-und-sanktionen-im-irak-der-1990er-jahre Iraq Embargo Toll Now Surpasses War's Horrors — https://www.wrmea.org/2000- august-september/book-review-iraq-under-siege-the-deadly-impact-of-sanctions-andwar.html How to Kill an Entire Country — https://www.tni.org/en/article/how-to-kill-an-entirecountry In Iraq, All Sanctions, All the Time — https://www.latimes.com/archives/la-xpm-2003- jan-06-fg-sanctions6-story.html Life in Iraq Pinched by Nation’s Outlaw Status — https://www.latimes.com/archives/la-xpm-1991-10-20-mn-220-story.html National Agenda : Shrinking Fortunes in Iraq : Three years of sanctions have rewired society and devalued the dinar. Many lost out; a few made out — https://www.latimes.com/archives/la-xpm-1993-06-22-wr-5849-story.html
Makiya Has No Regret About Pressing the War in Iraq — https://www.meforum.org/middle-east-quarterly/confessions-of-an-anti-sanctionsactivist Liebe und Sanktionen im Irak der 1990er Jahre — https://qantara.de/artikel/shahadal-rawis-roman-baghdad-clock-liebe-und-sanktionen-im-irak-der-1990er-jahre Iraq Embargo Toll Now Surpasses War's Horrors — https://www.wrmea.org/2000- august-september/book-review-iraq-under-siege-the-deadly-impact-of-sanctions-andwar.html How to Kill an Entire Country — https://www.tni.org/en/article/how-to-kill-an-entirecountry In Iraq, All Sanctions, All the Time — https://www.latimes.com/archives/la-xpm-2003- jan-06-fg-sanctions6-story.html 

Foto:
©Verleih

Info:
Besetzung
Lamia Baneen Ahmed Nayyef
Saeed Sajad Mohamad Qasem
Bibi Waheeda Thabet Khreibat
Jasim Rahim AlHaj
Stab
Drehbuch und Regie Hasan Hadi
Laufzeit 102 min
Bildformat 1,85:1
Produktionsländer USA, Irak, Katar

Abdruck aus dem Presseheft