Anne Frank HusStreik gegen Besatzungsterror und Judenverfolgung

FIR

Berlin (Weltexpresso) - Wenn wir in diesem Jahr erneut an den Werftarbeiterstreik in Amsterdam im Februar 1941 erinnern, dann tun wir es auch im Wissen, dass in mehreren vom Faschismus okkupierten Ländern Arbeiter mit Streikaktionen dem NS-Regime und der Kriegspolitik entgegengetreten sind. Bekannt sind Streikaktionen in Griechenland und der Bergarbeiter in Lothringen, die mit der Verhinderung der Kohlelieferungen die deutsche Rüstungsproduktion massiv behinderten. Solche Beispiele finden sich auch in anderen okkupierten Ländern.  

Dennoch war der Werftarbeiterstreik in Amsterdam in diesem Rahmen etwas besonderes. Mit dem Streik vom 25. Februar 1941 wehrten sich zum ersten Mal im besetzten Europa breite Teile der arbeitenden Bevölkerung mit einem Generalstreik gegen den antisemitischen Terror. Die Geschichte wurde schon oft erzählt. Dennoch lohnt es sich, sie immer wieder in Erinnerung zu rufen. 

Wie in allen okkupierten Ländern wurden auch in den Niederlanden von Reichskommissar Arthur Seyß-Inquart die Ausnahmegesetze gegen jüdische Menschen, wie sie im deutschen Reich galten, eingeführt und umgesetzt. Verstärkt wurde der antisemitische Terror durch die Kollaborateure der NSB (Nationaal-Socialistische Beweging) (Vorsitzender war Anton Mussert), die sich mit ihrer uniformierten Wehrabteilung (WA) als Vollstrecker der deutschen Besatzungspolitik betätigten. Die WA provozierte in den jüdischen Vierteln von Amsterdam, wobei es mehrfach zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam, bei denen auch Männer aus den umliegenden Arbeiterwohngebieten den Juden halfen. Als nach einer solchen Schlägerei ein Führer der WA starb und Tage später sich jüdische Händler gegen Übergriffe der deutschen Ordnungspolizei wehrten, ordnete die Besatzungsmacht Vergeltungsaktionen gegen jüdische Bewohner an. Am Nachmittag des 22. Februars 1941 drangen SS-Überfallkommandos in das jüdische Viertel von Amsterdam ein und verhafteten wahllos jüdische Männer. Am 23. Februar folgte unter den Augen der Bevölkerung eine weitere Razzia auf dem Waterloo-Platz. 

Angesichts dieser Besatzungsgewalt ergriff die Amsterdamer Sektion der illegalen KP der Niederlande die Initiative und orientierte ihre Kader und Anhänger, die sowohl in der Verwaltung als auch unter den Werftarbeitern gut vernetzt waren, auf eine öffentlich sichtbare Solidaritätsaktion mit den jüdischen Menschen. Am Abend des 24. Februar konnte man in den Arbeitervierteln und anderen Teilen der Stadt Flugblätter finden, auf denen es hieß: „Zeigt Euch solidarisch mit dem jüdischen Teil der arbeitenden Bevölkerung. Streikt, streikt, streikt!“ 
Gefordert wurde, alle jüdischen Gefangenen freizulassen und die WA aufzulösen. 

Und tatsächlich waren die Stadt Amsterdam und die Betriebe am 25. Februar 1941 durch einen Generalstreik lahmgelegt. Etwa 40.000 Menschen demonstrierten in der Innenstadt. Die deutsche Besatzung war vollkommen überrascht, reagierte aber anschließend mit aller Brutalität. Nun wurde Ordnungspolizei und Militär eingesetzt und wahllos auf Streikende geschossen. Die Bilanz: Neun Tote und 24 Verwundete. Eine Verhaftungs- und Entlassungswelle gegen Streikende setzte ein. Achtzehn Arbeiter wurden als „Rädelsführer“ hingerichtet, andere in Gefängnisse und KZ deportiert. Trotz aller Opfer war es eine heroische Tat, die weit über Amsterdam hinaus wahrgenommen wurde. 

Die Erinnerung an diese Solidaritätsaktion mit vom Naziterror Verfolgten ist ein wichtiges Beispiel des Gedenkens an den antifaschistischen Widerstand. Wir vergessen auch nicht, dass in den Niederlanden viele jüdische Menschen, nicht nur die Familie von Anne Frank, durch niederländische Nachbarn versteckt, versorgt, geschützt und oftmals gerettet worden sind. 
Der 25. Februar 1941 ist damit mehr als ein einmaliges Ereignis, er zeigt den Widerstandswillen und die Solidarität von Arbeitern und anderen Antifaschisten in den Niederlanden. Daran gilt es immer wieder zu erinnern. Die FIR dankt den niederländischen Kameraden der AfvN und allen Antifaschisten, dass sie dieses wichtige Ereignis nicht nur bei Feierlichkeiten am Denkmal für den Streik der Werftarbeiter in Amsterdam seit Jahrzehnten im gesellschaftlichen Bewusstsein wach halten.

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©Anne Frank Hus

Info:
Quelle: FIR-Newsletter 2026-08 dt.
FIR: Fédération Internationale des Résistants, internationale Dachorganisation von Verbänden antifaschistischer Widerstandskämpfer