Sammlung um internationales Highlight zeitgenössischer Fotografie erweitert
Sabine Zoller
Karlsruhe (Weltexpresso) - Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe hat ihre Sammlung um ein international beachtetes Werk zeitgenössischer Kunst erweitert: „Wittgenstein’s Cabin 10“ (2021) von Dionisio González. Die großformatige Fotografie, die Architektur, Philosophie und Zukunftsfragen auf beeindruckende Weise verbindet, wurde mit Unterstützung des Freundes- und Förderkreises der art karlsruhe auf der vergangenen Messe von der Berliner Galerie Taubert Contemporary erworben. Noch bis zum 12. April 2026 ist das Werk in der Sonderausstellung „Archistories. Architektur in der Kunst“ in der Orangerie der Kunsthalle zu sehen.
Die Serie „Wittgenstein’s Cabin“ entstand während der Corona-Pandemie und greift die berühmte Hütte des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein auf, die dieser 1914 an einem norwegischen Fjord nach eigenen Entwürfen errichten ließ. Auf einem Felsvorsprung hoch über dem Sognefjord suchte Wittgenstein völlige Abgeschiedenheit, um sich seinen philosophischen Studien zu widmen. Die Hütte war nur im Sommer per Boot oder im Winter über das Eis erreichbar – ein radikaler Gegenentwurf zum großbürgerlichen Leben.
González fotografierte diesen Ort mehrfach und bearbeitete die Aufnahmen digital weiter. In „Wittgenstein’s Cabin 10“ verschmilzt die ursprüngliche Holzhütte mit futuristischer Architektur: Sie rückt vom Berg ans Wasser, wächst zu einem komplexen, amphibischen Gebilde heran und erinnert in Form und Oberfläche an Kiesel, Zellhaufen oder U-Boote. Biomorphe Elemente kombiniert González mit geradlinigen, modernistischen Bungalowformen aus Holz, Metall und Glas – ein Verweis auf Wittgensteins Affinität zum Neuen Bauen. Die künstlich angelegten Inseln, auf denen sich die Architektur erstreckt, schaffen zusätzlichen Nutzraum und lassen sich als Antwort auf steigende Wasserstände lesen. Das Werk thematisiert Rückzug und Isolation in der modernen Welt sowie die Sehnsucht nach Schutz in der Wildnis bei gleichzeitigem Einklang mit der Natur.
„Wir sind sehr glücklich über diese Neuerwerbung, die durch den Freundes- und Förderkreis der art karlsruhe ermöglicht wurde“, so Kunsthallendirektor Frédéric Bußmann. „González schafft eine ästhetisch höchst verlockende Zukunftsvision, die alle sofort in ihren Bann zieht und perfekt zum Profil der Kunsthalle Karlsruhe passt.“
Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Messe Karlsruhe und Vorstandsvorsitzende der Freunde und Förderer der art karlsruhe e.V., ergänzt: „Mit dem Engagement unseres Freundeskreises möchten wir Impulse für Kunst und Kultur setzen – regional wie international. Das Werk von Dionisio González bringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf faszinierende Weise in Dialog. Wir freuen uns, der Kunsthalle Karlsruhe mit dieser Neuerwerbung ein starkes Zeichen für zeitgenössische Fotografie übergeben zu können.“
Dionisio González lehrt an der Universität Sevilla; seine Arbeiten wurden unter anderem im Museo Reina Sofía in Madrid, im Museum of Contemporary Photography in Chicago und im Museum of Contemporary Art in Toronto gezeigt.
Mit der Neuerwerbung stärkt die Kunsthalle Karlsruhe ihre Sammlung zeitgenössischer Fotografie und präsentiert eine Arbeit, die historische Referenzen mit Fragen nach zukünftigen Lebensformen verbindet.
Foto:
„Freunde und Förderer der art karlsruhe e.V übergeben Werk an Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
© Staatliche Kunsthalle Karlsruhe“