Machbarkeitsstudie zur Entwicklung des Bergparks Wilhelmshöhe vorgelegt

 

Sybilla von Suden

 

Kassel (Weltexpresso) – Während der Weltexpresso alle Artikel über das Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe einschließlich eines Besuches der Redaktion noch in der Schublade hat, haben am Montag die Kasseler Wissenschaftler zur nachhaltigen Entwicklung unseres hessisches Weltkulturerbes eine umfangreiche Machbarkeitsstudie vorgelegt.

 

Darin gibt das Forschungsteam unter anderem Empfehlungen zur Senkung des Energieverbrauchs, zur energetischen Nutzung von Gehölz- und Grünschnitt, zur verbesserten Verkehrsanbindung, zur Stärkung der Barrierefreiheit und zur Sicherung der Ästhetik des größten Bergparks in Europa. Natürlich ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung politisch durchaus günstig, denn die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann stammt aus der nordhessischen Metropole.

 

Tourismus und Nachhaltigkeit sind keine Gegensätze“, sagte demnach Frau Kühne-Hörmann. „Es ist deshalb eine ausgezeichneter Ansatz, die Kompetenz unserer Wissenschaftler in die Waagschale zu werfen, um unsere kulturellen Schätze wie das UNESCO-Welterbe in Kassel weiterzuentwickeln und auch für künftige Generation erlebbar zu machen.“ Tatsächlich sind die Vorergebnisse der Wissenschaft in den damaligen Antrag zum Weltkulturerbe eingeflossen.

 

"Als Verwalter des Bergparks Wilhelmshöhe ist die nachhaltige Entwicklung der jungen Welterbestätte ein zentrales Anliegen unserer täglichen Arbeit. Dies wurde durch die Entscheidung der UNESCO-Kommission am 23. Juni 2013 bestätigt“, erklärte Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel. „Die Machbarkeitsstudie Bergpark Wilhelmshöhe ist parallel zur Welterbeanmeldung entstanden und greift verschiedene Inhalte auf, die auch im Welterbeantrag fest verankert sind. Die Museumslandschaft Hessen Kassel sieht sich in der Pflicht, das kulturelle Erbe zu erhalten und auch in Zukunft vielen Interessierten zugänglich zu machen. Dabei sind auch zukünftig Fachkompetenzen gefragt. Wir bedanken uns bei Prof. Riehl und seinem Team für die umfassende Darlegung einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Bergparks Wilhelmshöhe zum künftigen Erhalt des UNESCO-Weltkulturerbes und setzen auch weiterhin auf die fachliche Unterstützung.“

 

Als Städtische Werke und KVG stehen wir für nachhaltige und umweltschonende Lösungen in den Bereichen Energie und Verkehr. Diesen Aspekt auch im Bergpark zu betonen, halten für eine ausgezeichnete Idee und haben daher das Projekt gerne unterstützt“, sagte der Vorstand der Städtischen Werke Kassel, Dr. Thorsten Ebert. „Auch für die Umsetzung der entwickelten Konzepte stehen wir selbstverständlich gerne zur Verfügung.“

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Ein nachhaltiges Konzept für den über 300 Jahre alten Bergpark in Kassel-Wilhelmshöhe zu entwickeln, war die Kernaufgabe der hier vorliegenden Machbarkeitsstudie“, sagte der Koordinator der Studie, Prof. Dipl.-Ing. Wigbert Riehl. „Auf Grundlage der Qualitätskriterien des nachhaltigen Bauens wurde die historische Parkanlage analysiert, der Status-Quo festgestellt, Ziele entwickelt und Handlungsempfehlungen ausgesprochen.“

 

 

Unter anderem in folgenden Bereichen zeigt die Machbarkeitsstudie Optionen für eine nachhaltige Entwicklung auf:

 

Ästhetik und Gestaltung

 

- Der Bergpark Wilhelmshöhe ist als erbaute Landschaft ein Kunstwerk von internationalem Rang. Dies hat die Erhebung zum Welterbe nochmals unterstrichen. Als Grundlage jeder Art von Weiterentwicklung ist nach Auffassung der Wissenschaftler daher ein in sich geschlossenes, gestalterisches Konzept notwendig, das bei allen künftigen baulichen oder gärtnerischen Veränderungen berücksichtigt werden muss.

 

 

Außenwahrnehmung und Information

 

- Die Experten empfehlen die Außenwahrnehmung des Parks zu verbessern. Eine Besucherbefragung habe gezeigt, dass sich 59 Prozent der Befragten besseres Informationsmaterial sowie eine bessere Verfügbarkeit von Informationen über den Park wünschen. Um die Identifikation der Menschen in der Region mit dem Bergpark zu erhöhen, schlagen sie zudem vor, Konzepte zu erstellen, um das Areal für ausgewählte Großveranstaltungen zu öffnen.

 

Energie

 

- Die Gebäude im Bergpark, allen voran Schloss Wilhelmshöhe, verbrauchen im Jahr insgesamt rund 3.000 MWh Energie für Heizung und Warmwasser. Die Kosten liegen bei knapp 160.000 Euro im Jahr. Empfohlen wird eine energetische Sanierung, durch die sich der Verbrauch um fast 40 Prozent senken ließe.

  • Im Park selbst fallen pro Jahr über 2.200 Tonnen Grünschnitt an. Dazu kommen 100 Tonnen Holz sowie 80 Tonnen Laub. Durch eine energetische Nutzung könnten bis zu 1.800 MWh Energie pro Jahr erzeugt werden.

Orientierung und Barrierefreiheit

 

  • Für das Parkinnere empfehlen die Kasseler Wissenschaftler eine gründliche Erneuerung des vorhandenen Orientierungs- und Leitsystems. Hier gebe es bislang starke Defizite. Um mehr Besucher als in der Vergangenheit aufnehmen zu können, sei ein Konzept für die innere Erschließung notwendig. Auch gelte es, die Barrierefreiheit vor allem an Gebäuden und Bauwerken zu optimieren, auch wenn angesichts der Topographie eine völlige Barrierefreiheit nicht zu erreichen sei.

Verkehr

 

- Nach der Erhebung des Bergparks zum Welterbe sind die Besucherzahlen stark gestiegen. Bislang kommen rund 60 Prozent der Besucher mit dem Auto. Die Anreise mit Reisebussen oder dem ÖPNV spielt bislang eine untergeordnete Rolle. Hier empfehlen die Wissenschaftler, keine zusätzlichen Stellplätze für den Individualverkehr

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auszuweisen, sondern stattdessen schlüssige und flexible Konzepte für den ÖPNV, die Anreise mit Bussen sowie Park&Ride zu entwickeln.

 

Wasser

  • Die Wasserspiele im Bergpark und das angeschlossene historische Wassernetz sind nach dem Urteil der Wissenschaftler ein seit Jahrhunderten gut funktionierendes und durchaus nachhaltiges System. Um zusätzliches Trinkwasser einzusparen, empfehlen sie eine verstärkte Nutzung von Regenwasser, das auf den Dächern der Gebäude aufgefangen und beispielsweise zur Spülung der Toiletten eingesetzt werden könnte. So ließen sich pro Jahr rund 1.800 Kubikmeter Trinkwasser einsparen. Darüber hinaus sollte Dachwasser gesammelt und ins Grundwasser eigeleitet werden, um hier die natürlichen Ressourcen zu stärken.

Insgesamt 15 Architekten, Bauphysiker, Agrarwissenschaftler, Verkehrsplaner und Landschaftsarchitekten hatten rund eineinhalb Jahre lang an der Studie gearbeitet. Experten aus dem Bereich der nationalen und internationalen Denkmalpflege waren beratend tätig. Im Bereich Energieversorgung und Energieverbrauch wurde das Team zudem von Fachleuten der Städtischen Werke Kassel unterstützt. Finanziert wurde die Studie aus Mitteln der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Hessen, von der Museumslandschaft Hessen Kassel sowie den Städtischen Werken.

 

 

Info:

 

Dipl.-Ing. Kerstin Schneider Universität Kassel Fachgebiet Landschaftsarchitektur/Technik Tel.: ++49 561 / 804-2029 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Lena Pralle Museumslandschaft Hessen Kassel Tel.: ++49 5 61/ 316 80-115 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!