Zum Tod des Komponisten äußerst sich die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK)
Redaktion
Frakfurt am Main (Weltexpresso) - Am 3. Januar ist Rolf Riehm im Alter von 88 Jahren verstorben. Die HfMDK nimmt Abschied von einem großen Komponisten, der das Frankfurter Musikleben und insbesondere die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) geprägt hat: Rolf Riehm lehrte hier von 1974 bis 2000 ein gutes Vierteljahrhundert lang als Professor für Komposition und Tonsatz.
„Die HfMDK trauert um einen besonderen Künstler und überaus engagierten Hochschullehrer. Rolf Riehm war klug, belesen, ein feiner Mensch. Er prägte Generationen von Komponist*innen durch sein Denken, sein Fragen und seine Menschlichkeit – und brachte ihnen weit mehr als Handwerk bei: Haltung zur Kunst, ein waches Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung und die Fähigkeit, genau hinzuhören“, so HfMDK-Präsident Prof. Elmar Fulda.
Ihm ging es um Wahrnehmung der Gegenwart und Verantwortung als Künstler in der heutigen Gesellschaft. Ihm ging es um Musik. Und um Diskurs. Rolf Riehm war ein politischer Mensch, ein Komponist, der ganz und gar in seiner Zeit stand. Wie kaum ein anderer konnte er zuhören und dabei ins Staunen geraten. Und keiner vor ihm, so der Journalist Bernd Leukert, „hat einen so komplexen Kosmos aus philosophischen Reflexionen, historischen Fakten, Mythen, Märchen, Erinnerungen, naturwissenschaftlichen Argumenten, Erhabenem und Trivialem, aktuellen gesellschaftspolitischen Befunden, ganz persönlichen Zutaten und Zuwendungen musikalisch versinnlicht“.
Noch bevor er ab 1958 sein Kompositionsstudium bei Wolfgang Fortner in Freiburg aufnahm, studierte er Schulmusik in Frankfurt. Danach war er als Solo-Oboist tätig, u.a. bei den Internationalen Ferienkursen Darmstadt 1966. Dann wieder Frankfurt: Riehm wurde Mitbegründer der Frankfurter Vereinigung für Musik, die von 1964 bis 1970 existierte. 1968 erhielt er den „Premio Marzotto per la Musica” und ein Stipendium der Villa Massimo, das ihm einen Aufenthalt in Rom ermöglichte. Von 1976 bis 1981 war er außerdem Mitglied des legendären „Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters“ Frankfurt.
Rolf Riehm blieb der HfMDK bis zuletzt verbunden. 2018 lud ihn die Hochschule zu einem Workshop und ein Gesprächskonzert ein, 2023 saß er bei der Neuen Musik Nacht auf dem Podium einer Diskussionsveranstaltung. Dr. Karin Dietrich, Geschäftsführerin des Instituts für Zeitgenössische Musik (IzM) der HfMDK, erinnert sich: „Wir haben uns viel zugehört und uns ausgetauscht. Aber noch so vieles wäre zu sagen gewesen. Danke für alles! Über sein Stück ‚Hamamuth – Stadt der Engel‘ für Klavier sagte Rolf Riehm einmal: ‚In der Zerstörung ist das ‚Heilige‘ besonders gegenwärtig‘. In Rolf Riehms Tod wird uns die große Bedeutung und Menschlichkeit seines Wesens und Schaffens besonders gegenwärtig“.
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