sabbSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom Donnerstag, 5. Februar 2026, Teil 6


Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) -  TARA (40) ist nach einigen anderen beruflichen Anläufen wie Schauspielerin und Kulturwissenschaftlerin schließlich Autorin geworden. Denn das war ihr eigentlicher tiefer Wunsch, den sie selbst jedoch erst in sich entdecken musste. Nach einem vielversprechenden Erzählband hat sie einen zu ihrer eigenen Überraschung erfolgreichen ersten Roman geschrieben und arbeitet nun an ihrem zweiten. Doch sie hat lange mit dem Thema gehadert.


War ihr erstes Buch geprägt von ihren autobiographischen migrantischen Erfahrungen, will sie von etwas erzählen, was nicht unmittelbar von ihr selbst handelt. Doch sie fühlt sich für diesen Entschluss von ihrem Umfeld, ja sogar von ihrem Freund Robert kritisiert. Tara ist ein sehr freier und doch zugleich ängstlicher und sensibler Mensch, und genau dieser
Widerspruch treibt sie immer wieder um und zugleich an. Als sie vor vielen Jahren Robert auf einer Party getroffen hat, hat sie sich kopfüber in diesen attraktiven, gewissenhaften und doch coolen Mann verliebt und beschlossen, dass das endlich derjenige ist, der ihr Halt gibt, mit dem sie sich sogar zu einer Familie bereit fühlt.

Ihre Partnerschaft war immer wieder von Krisen geprägt, und als Robert vorgeschlagen hat, ein Jahr ins Ausland zu gehen, ehe Nia in die Schule kommt, fand Tara das eine mögliche Idee
und hat sich, wenn auch zögernd, darauf eingelassen. Doch jetzt, in Griechenland, fehlen ihr die Freund*innen und die Atmosphäre des Großstadtlebens. Zurückgeworfen auf ihre Rolle
als Mutter und Autorin kommt sie einfach nicht zu der Gelassenheit, die sie sich versprochen hat. Und noch viel schlimmer – sie sieht in Robert nicht mehr den Mann, für den sie sich
damals entschieden hat.

 
ROBERT (40)

ist ein hochintelligenter, smarter, witziger Typ – dem die Frauen immer hinterhergelaufen sind. Und auch wenn er kein Kind von Traurigkeit war, so hat er sich doch selten auf Frauen tief eingelassen – bis Tara in sein Leben trat, in die er sich heftig verliebt hat. Ausgerechnet, denkt er heute manchmal, als hätte er sich die schwierigste aller Übungen ausgesucht, so kommt es ihm mitunter vor. Sie kann ihn bis aufs Blut reizen, und das schaffen wenige Menschen – vielleicht nur noch sein Bruder Joni (Jonathan), den er sicher ebenso liebt, doch der ihn genauso bis zur Weißglut treiben kann. Zu viele Jahre hat sich Robert seinem Gefühl nach um den kleinen verstrahlten Bruder gekümmert.

Im Job ist Robert wahnsinnig ehrgeizig, ernsthaft und gewissenhaft – das hat er von seinem Vater Hans übernommen, und auch wenn er weiß, dass die Rolle des Familienoberhaupts
veraltet ist, so kann er nicht anders als immer Verantwortung für alle zu übernehmen. Doch er spürt auch, dass er sich in ein fieses modernes Hamsterrad zwischen Videokonferenzen,
permanenter Bereitschaft und hohem Leistungsdruck auf internationaler Ebene begeben hat. So kam er auf die Idee mit Griechenland. Er liebt seine schwierige Tara doch über alles, und
Nia sowieso, er will diese Familie unbedingt erhalten.


JONATHAN / JONI (30)

ist so ein Typ, den die Menschen bewundern, wenn sie ihn kennenlernen. Für seine Freiheit, für seine Naturverbundenheit, für seine Abenteuerlust – und der den Leuten erst dann Kummer bereitet, wenn sie mit ihm eine Verbindung haben, die sich nicht so leicht aufheben lässt – wie zum Beispiel Familie oder auch sehr alte Freundschaften.

Davon hat Joni jedoch eher wenige, schließlich lernt er immer neue Leute kennen, die ihn faszinieren und die vor allem von ihm fasziniert sind. Diese Menschen würden ihn kaum wiedererkennen, wenn sie ihn im Zusammenhang mit seinen Eltern erleben würden. Hier ist er der ewig Zweitgeborene, der nie so perfekt war wie sein großer Bruder. Jonathan weiß genau, dass er in den Augen seines Vaters Hans ein schwarzes Schaf ist, das wahrscheinlich nie etwas erreichen wird. Dabei kann Jonathan doch nichts dafür, dass er vollkommen andere Werte hat als Hans, der von einer kapitalistischen Idee immer zum Erfolg getrieben war – so sieht das Joni. Dass er sich jedoch mit seiner permanenten Rebellion auch immer im Weg stand, das will er nicht wirklich erkennen. Seine schulische Laufbahn war schon ein Hängen und Würgen, danach konnte er sich nie recht für einen Beruf entscheiden, hat eine Tischlerlehre abgebrochen und ebenso ein Architektur-Studium an der Fachhochschule. Doch Joni hat eine große Passion, die ihm einen ganz tiefen Sinn gibt – das Klettern. Was er an der Wand erlebt, wie die Natur als harter Stein ihn herausfordert, das ist für ihn einmalig. Hier entwickelt Joni genau den Ehrgeiz und die Konzentration, die Hans sich so für ihn für einen Beruf wünschen würde.

 
 
NIA (6)

ist ein lebhaftes, waches und eigentlich sehr fröhliches Kind, deren Energie sie auch nachts nicht einfach so zur Ruhe kommen lässt – sie hat von Tara den sogenannten Pavor nocturnus, den Nachtschreck, geerbt. Dann tobt sie im Tiefschlaf schreiend und um sich schlagend, und man muss sie festhalten, dass sie sich nicht verletzt. Jetzt, in der Fremde, fühlt sie sich einsam und versteht nicht, was sie überhaupt hier soll – ihr Alltag in Griechenland ist geprägt von Langeweile und Heimweh. Und plötzlich hat sich über das Kind ein Schatten
gelegt, eine unbewusste Rebellion gegen die Tatsache, dass man sie einfach an einen Ort verpflanzt hat, in der Annahme, dass es ihr hier gut gehe.


HANS (Ende 60)

hat sich quasi aus dem Nichts hochgearbeitet bis an die Spitze in der Medizin – und glaubt fest daran, dass man alles erreichen kann, wenn man nur will. In die Wirtschaftswunderzeit Deutschlands hineingeboren, eine Zeit, in der man endlich nichts mehr von den deutschen Kriegen und all ihren Traumata wissen wollte, ist er großgeworden in einem Klima, in dem alles möglich schien und man gleichzeitig jegliche unangenehme Emotion wegge- und unterdrückt hat.

Hans war aber auch ein sehr liebender Vater – als die Jungs klein waren, hat er sie jedes Wochenende geschnappt und ist mit ihnen in die Berge oder ans Meer oder zu einem anderen
Abenteuer aufgebrochen. Den Mut haben beide Söhne ganz bestimmt von ihm geerbt. Erst als Joni die ersten pubertären Anzeichen hatte und maulig, trotzig und undankbar (in Hans‘
Augen) wurde, da konnte er mit dem Jüngeren plötzlich nichts mehr anfangen. Das hat ihn innerlich sehr getroffen, doch reagiert hat er leider nur mit Härte und Unverständnis.



MARLIES (Mitte 60),

eine weiche, zarte Frau, war immer froh, dass ihr Mann ihr sämtliche Entscheidungen abgenommen hat und hat sich gern seinem Erfolg und Lebensplan unterworfen. Erstmal. Denn gleichzeitig tat sich eine große emotionale Lücke in ihr auf – eine Lücke, die nach einer eigenen Bestimmung verlangt hätte, nach einem Beruf vielleicht oder auch einer anderen Idee davon, was ihr Leben und sie als Mensch und Frau ausmacht. Und das völlig unabhängig von den Rollen als Mutter und Ehefrau.

In einer Gegenreaktion und um sich ja nicht zu tief in ihre eigenen Konflikte zu begeben, hat sie sich auf ihren über alles geliebten Jüngsten mit all seinen Problemen gestürzt und ihn, wie
Hans es ausdrückt, verzärtelt.

Foto:
©Verleih

Info:
Besetzung
TARA SEYNEB SALEH
ROBERT TRYSTAN PÜTTER
JONATHAN SEBASTIAN URZENDOWSKY
NIA ZOË BAIER
MARLIES ULRIKE WILLENBACHER
HANS BERNHARD SCHÜTZ

Stab
BUCH & REGIE JUDITH ANGERBAUER
PRESSEHEFT SABBATICAL
 
TECHNISCHE DATEN
FASSUNG Deutsch
ORIGINALTITEL SABBATICAL
FILMLÄNGE 99 Minuten
FORMAT 1:1,37
PRODUKTIONSLAND Deutschland
PRODUKTIONSJAHR 2024
URAUFFÜHRUNG FILMFEST MÜNCHEN 2024
KINOSTART 5.02.2026

Abdruck aus dem Presseheft