Die 76. Berlinale vom 12. bis 22. Februar 2026, Wettbewerb, Teil 25 Die Bärenvergabe der Internationalen Jury
Redaktion
Berlin (Weltexpresso) – Die Mitglieder der Jury unter dem Vorsitz von Wim Wenders waren: Min Bahadur Bham, Bae Doona, Shivendra Singh Dungarpur, Reinaldo Marcus Green, HIKARI, Ewa Puszczyńska. Der Goldene Bär für den Besten Film geht an GELBE BRIEFE, dieser spannende Film von İlker Çatak, der mit DAS LEHRERZIMMER bis nach Hollywood kam. Das Besondere dieses Films ist wirklich witzig, er spielt in der Türkei, wurde aber in Deutschland gedreht, ist in türkischer Sprache, wird aber voll auf Deutsch synchronisiert und ist ein deutscher Film.
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Das ist eher überraschend, aber freut WELTEXPRESSO sehr: Den Silbernen Bären der Großen Jury erhält Kurtuluş (Salvation) von Emin Alper
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Der Silberne Bär der Jury geht an QUEEN AT SEA by Lance Hammer
https://weltexpresso.de/index.php/kino/36828-queen-at-sea
Der Silberne Bär für die Beste Regie erhält Grant Gee für EVERYBODY DIGS BILL EVANS
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Der Silberne Bär für die Beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle fällt - sicher unbestritten - an Sandra Hüller in ROSE von Markus Schleinzer
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Der Silberne Bär für die Beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle geht an Anna Calder-Marshall & Tom Courtenay in QUEEN AT SEA von Lance Hammer
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Den Silbernen Bären für das Beste Drehbuch erhält Geneviève Dulude-de Celles für NINA ROZA
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Den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung dürfen die Regisseure Anna Fitch und Banker White für YO ( (Love is a Rebellious Bird) entgegennehmen, wobei sie nicht für ihre Regiearbeit ausgezeichnet werden, sondern für die besonderen Mitteln, die den Film auszeichnen: der Nachbau des Hauses der Porträtierten in Verkleinerung, worin dann Teile der Handlung spielen. Eine sehr ungewöhnliche, tragende Idee.
https://weltexpresso.de/index.php/kino/36861-yo-love-is-a-rebllious-bird
Kommentar:
Daß die Redaktion die Preisvergabe grundsätzlich begrüßt und sich mit den Preisen unsere Einschätzungen der Filme und der in ihnen auftretenden künstlerischen Leistungen bestätigen, erfreut. Dennoch läßt sich zumindest an einem Film eine zu starke Gewichtung feststellen und an zwei Filmen eine Leerstelle.
Unsere obige Einschätzung, daß die Preise für spezielle künstlerische Leistungen so gewählt werden, daß alle wirklich guten Filme einen Preis erhalten, ist an einer Stelle zu stark gewichtet. Der Film QUEEN AT SEA erhält sowohl den Silbernen Bären der Jury wie auch die beiden Nebendarsteller Anna Calder-Marshall & Tom Courtenay für die Beste schauspielerische Leistung. Damit ist dieser Film der einzige, der zweimal ausgezeichnet wird. Wir sprachen ja darüber, daß man im Aushandelungsprozeß der Preise versucht, alle guten Filme zu bedenken. Bei zwei Preise kann man interpretieren, die Jury hätte diesen Film besonders herausgestellt, d.h. sie hat ihn besonders herausgestellt.
Dann fällt eben auf, daß andere, als gut eingeschätzte Filme, nichts erhielten. Aus Asien ist kein Film ausgezeichnet worden, aber insbesondere der Film aus Singapur Wo Men Bu Shi Mo Sheng Ren hätte irgendeinen Preis verdient. Und auch Moscas ist ein kleines schwarz-weißes Filmwunder.
Bevor die Gewinner*innen geehrt wurden, sagte die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle ein paar Worte über die vergangenen zehn Tage
Diese Berlinale hat in einer Welt stattgefunden, die sich roh und zerrissen anfühlt. Viele Menschen sind mit Trauer, Wut und einem dringenden Gefühl hier angekommen angesichts dessen, was weit über diese Kinowände hinaus geschieht. Diese Gefühle sind real. Sie gehören in unsere Gemeinschaft. Wir hören sie.
Wir sind in diesem Jahr auch öffentlich herausgefordert worden. Das gehört dazu, wenn man in einem polarisierten Moment eine sichtbare kulturelle Institution ist. Kritik ist Teil der Demokratie. Meinungsverschiedenheiten ebenfalls. Wir respektieren es, wenn Menschen ihre Stimme erheben – auch wenn wir nicht jeder Behauptung zustimmen, die über uns aufgestellt wird.
Worauf ich stolz bin, ist Folgendes: In diesen zehn Tagen ist die Berlinale das geblieben, wofür sie gegründet wurde. Ein Ort, an dem Menschen öffentlich zusammenkommen, an dem alle willkommen sind – über Unterschiede hinweg –, um gemeinsam im Dunkeln zu sitzen und die Welt durch die Augen anderer zu betrachten.
278 Filme aus 80 Ländern. Filmschaffende, die viel riskiert haben, um ihre Geschichten zu erzählen. Es gibt Filme über Gewalt, Ungerechtigkeit, Erinnerung und Überleben – und auch über Kunst, Liebe und Freundschaft.
Freie Meinungsäußerung auf der Berlinale ist nicht eine Stimme. Es sind viele Stimmen. Manchmal ruhig. Manchmal wütend. Manchmal wirkt es still, doch es spricht durch das Kino. Diese Stimmen können widersprüchlich sein. Ein Festival löst nicht die Konflikte der Welt. Aber es kann Raum schaffen für Komplexität, fürs Zuhören und dafür, einander zu vermenschlichen.
Und wir sehen diese Komplexität in den Filmen widergespiegelt – sie bieten nicht nur eine Perspektive –, doch sie alle teilen etwas. Sie teilen eine tiefe Fürsorge für diese Welt und für die Menschen. Sie drängen, sie inspirieren, sie fordern – und sie bestehen leise oder laut darauf, dass wir HINSEHEN.
Und diese Vielfalt an Perspektiven wird sich auch in den Filmen widerspiegeln, die heute Abend ausgezeichnet werden. Heute Abend ist ihr Raum – und eine Gelegenheit für uns, zuzuhören.
Wenn diese Berlinale laut und emotional aufgeladen war, dann ist das kein Versagen des Kinos. Das ist die Berlinale, die ihre Aufgabe erfüllt. Das ist das Kino, das seine Aufgabe erfüllt.
Vielen Dank an unsere Filmschaffenden, unser Publikum und an unser außergewöhnliches, wunderbares Berlinale-Team.