DIE KRIMIBESTENLISTE im Dezember 2025, Teil 6
  
Claudia Schulmerich
 
Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Höchste Zeit, die zu verabschieden, die auf der Dezemberliste der Krimibesten nicht mehr auftauchen, aber im November noch dabei waren. Kommt es nur mir so vor, als ob derzeit eine Flut richtig guter Kriminalromane herrscht. Auf jeden Fall sind die meisten sehr viel besser als vor einigen Jahren/Jahrzehnten. Sehr unterschiedlich ist das mit den Frauen. Da gibt es Monate, wo es auf der Krimibestenliste vor weiblichen Autoren nur so blüht und dann wieder stellt man erstaunt und verstimmt fest, 
doktorDer Doktor und der liebe Mord. Ein Tierarzt-Krimi von René Anour aus dem Rowohlt Verlag

Roland Keller

W Der Titel Der Doktor und der liebe Mord klingt wie ein Zielgruppen-Anpeiler für alle, die noch wissen, was die „Schwarzwaldklinik“ ist oder sich heute von der heilen Serienwelt der Götter in Weiß bei ARD und ZDF sedieren lassen. Das brave rororo-Cover mit einem Pferd, das freundlich auf die Beine eines Mordopfers blickt, samt dem Untertitel Ein Tierarzt-Krimi, ist ein klares Versprechen: Freigegeben für Herzpatienten, der Nachtschlaf ist auch ohne Baldrian gesichert. Keine Metzeleien stören, deren Blutströme geistige Auswürfe auf Bestsellerlisten schwemmen.

dan brownDan Brown und »The Secrets of Secrets«

Roland Keller
 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Wenn Dan Brown seinen Symbolforscher Robert Langdon samt dessen Freundin Katherine Solomon nach Prag schickt, dann können wir einiges erleben. Einen besseren Reiseführer durch die Gassen und die Vergangenheit der Moldau-Metropole als den allwissenden Langdon gibt es wohl nicht. Eigentlich ist er diesmal nur der Anhang seiner Geliebten Katherine. Die Neotik-Forscherin hält an der Moldau einen Vortrag über ihre jüngsten Erkenntnisse des menschlichen Bewusstseins – Erkenntnisse, mit denen sie und damit auch Langdon ins Fadenkreuz der CIA geraten.

kälterDIE KRIMIBESTENLISTE im Dezember 2025, Teil 5
  
Claudia Schulmerich
 
Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Da foppt uns der Autor, wenn er uns Luzy als einfache Polizistin zeigt, die auf Amrum seit acht Jahren ihren Dienst tut, körperlich zugelegt, ein besonderes Verhältnis zu ihrem Kollegen Jörgen hat und über viele Seiten als eine harmlose Existenz erscheint. ...werch ein illtum!, kann man da nur mit Ernst Jandl sagen, denn am Schluß, nach 489 Seiten, die man zudem nur ganz langsam lesen kann, so viel passiert dauernd, handelt es sich um eine Polizistin, die früher als Personenschützerin beim BKA gearbeitet hat, und nun ihre Vergangenheit zielgerichtet, aber blutig mit schrecklich vielen Toten aufarbeiten muß, geradezu zur Waffe wird, dabei noch den Mann ihres Lebens kennenlernt, der mal tot, dann wieder lebendig ist und das alles in rasender Geschwindigkeit über München, den Zug nach Genf, hauptsächlich in Wien, bis dann erneut in Amrum der Showdown kommt. Man macht was mit. Und bleibt intensiv dabei.

vipers dream Jake Lamar »Viper’s Dream«, Edition Nautilus

Hanspeter Eggenberger  

Zürich (Weltexpresso) - Jazztrompeter will Clyde Morton als junger Mann werden. Im September 1936 nimmt er seinen Trompetenkoffer und steigt in Meachum, Alabama, in den Zug nach New York City. Wo er gleich in den Stadtteil Harlem geht, ins „Zentrum des afro-amerikanischen Universums“. Beim Vorspielen im Club „Mr. O’s“ ist das Verdikt hart und direkt: Null Talent, bescheinigt ihm der Bandleader und Bassist Pork Chop Bradley. Doch der Musiker, der Clydes bester Freund werden soll, macht ihn mit „Mary Warner“ bekannt: Marihuana, „das Elixier der Kreativität“, sagt Pork Chop, „alle Jazzmusiker haben an Mary Warners Zitzen gesaugt“. Unter dem Spitznamen Viper wird Clyde Morton schnell zum wichtigsten Dope-Dealer nicht nur für Jazzmusiker in New York, zunächst in Diensten von Mr. O., einem jüdischen Geschäftsmann und Gangster.